Zur Ruhe kommen

Noch vor wenigen Monaten war mein Gehirn andauernd reizüberflutet. Im Hintergrund wollte ich immer ein Geräusch haben, sei es der Fernseher, sei es Musik, sei es stundenlange Telefonate. Ich würde nicht sagen, dass ich Stille hasste, aber ertragen konnte ich sie aus irgendeinem Grund auch nicht.

Heute bin ich endlich an einem Punkt angelangt, an dem ich Stille zelebrieren kann. Wenn es so ruhig ist, dass man im Hintergrund das Vogelgezwitscher hören kann, das Rascheln von Blättern im Wind, beim Spazieren gehen das Geräusch, wenn man in Schnee stapft oder wenn man auf Kieselsteine steigt. Das Rauschen eines Flusses.

Ich finde meine Ruhe und meinen Frieden hauptsächlich in der Natur. Das Beobachten von Tieren, das Finden von Frühlingsboten in der Wiese, die Freude, wenn man auf eine Pusteblume pustet. Es sind Kleinigkeiten, und doch, wenn man gelernt hat, es wertzuschätzen, schenken sie einem so viel Kraft.

Bereits in meiner Kindheit konnte ich keine Ruhe ausstehen. Beim Schlafen horchte ich eine Kassette, später war es sogar der Fernseher. Ungelogen telefonierte ich oft vier-fünf Stunden am Tag. Bei meiner Tochter fällt mir auf, dass sie die Stille zelebrieren kann. Sie plaudert sehr viel und wir reden auch sehr viel miteinander. Doch oft ist es so, dass ich den Haushalt mache und sie geht zeitgleich in ihr Zimmer und spielt in Ruhe mit ihren Spielsachen. Fast wie eine Art gemeinsame Meditation. Sie ist in ihrem Element und ich in meinem. Und dann können wir auf eine entspanntere Art miteinander spielen, denn ihr Kopf wurde nicht überflutet mit lauten Geräuschen und meiner auch nicht. Ergo können wir so in der Nacht besser schlafen.

Ich will nicht sagen, dass nie ein Fernseher laufen darf oder es andauernd still sein muss. Ich will nicht sagen, dass meine Erziehung besser ist als Andere. Aber ich möchte teilen, dass Stille nichts Schlimmes ist. „In der Ruhe liegt die Kraft“ kommt nicht von irgendwo her und dass Meditation in Stille passiert auch nicht. Nehmt euch ein paar Minuten am Tag Zeit und kommt in den Beobachtermodus. Zehn Minuten Stille und schaut wie es euch auf lange Sicht verändert.

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