Ich weiß, ich weiß… „Aber Pornos sind doch nicht schädlich!“, „Jeder schaut Pornos, hab dich nicht so!“, „Masturbation ist wichtig!“,… Die Verteidigung ist groß, genauso wie die Sucht! Aber sind Pornos nicht schädlich? Mal sehen…
Befasst man sich genauer mit dem Thema, fallen relativ schnell mehrere Themen auf. Zuallererst das Problem der Erwartungshaltung. Realistisch gesehen wird nicht jede Frau bei jedem Geschlechtsverkehr sexuell befriedigt. Das sieht bei Pornos allerdings anders aus (wenn es auch nur so aussieht). Im Unterbewusstsein entsteht ein Druck beim Mann, bei dem er davon ausgeht, er muss unbedingt die Frau befriedigen, während bei der Frau der Druck entsteht, dass sie genau solche Turnübungen machen soll, wie die Pornodarstellerin. Aber nimmt Leistungsdruck an sexuellen Aktivitäten nicht irgendwo den Sinn und den Spaß dahinter? Kommen daher vielleicht die Studien die beweisen, dass Männer in der Ehe meist sexuell unzufrieden sind? Weil Frauen grundsätzlich eher weniger das machen, was in Filmchen gemacht wird?
Und woran mag es wohl liegen, dass zu hoher Konsum bei Männern oft mit Erektionsstörungen einhergeht? An der nicht erfüllten Erwartung oder liegt es an einer Konditionierung oder ist es vielleicht doch der bereits genannte Leistungsdruck?
Oder sollen wir nicht über die Erektionsstörungen reden, sondern lieber über das kurze Durchhaltevermögen? Da geht sie hin, „die Leistung“…
Oh, aber keine Sorge, das Thema ist noch nicht vorbei, denn ein Riesenproblem lässt sich tatsächlich auch in der Pornografie wiederfinden. Das Thema der Gewalt und des sexuellen Missbrauchs. Und das nicht nur beim Mann. Frauen haben Vergewaltigungsfantasien, möchten dominiert und unterdrückt werden, wollen handlungsunfähig gemacht werden und, dass Gewalt an ihnen ausgeübt wird. Stellt sich die Frage woher diese Wünsche kommen? Nur leider wird diese Fantasie bei vielen Frauen zur grausamen Realität. Aber dazu später…
Studien haben bewiesen, dass Jugendliche sensibler auf das Thema reagieren als Erwachsene, da der präfrontale Kortex noch nicht entwickelt ist. Viele Jugendliche und Erwachsene leider an einem geringeren Selbstwertgefühl, an Depressionen, sowie an einem höheren Maß an übermäßigem sexuellen Interesse.
Auf Schmerzen, Gewalt und Vergewaltigungsszenen wird mit Lust reagiert. Die Analyse der 50 beliebtesten pornografischen Videos (die am häufigsten gekauft und gemietet wurden) ergab, dass 88% der Szenen körperliche Gewalt und 49% verbale Aggression enthielten. 87% der aggressiven Handlungen wurden gegen Frauen verübt, und 95 % ihrer Reaktionen waren entweder neutral oder Ausdruck von Freude. (Zitiert von https://www.safersurfing.org/pornografie-und-sexuelle-gewalt-an-frauen/)
Last but not least… die emotionale Schädigung von Leuten, die keine Pornos sehen. Ich selbst bin eine 25 Jahre alte Frau, die sich keine Filmchen ansieht. Ich bin seit 6 Jahren in einer Beziehung, also würde ich auch keinen großen Nutzen darin sehen. Allerdings kenne ich das Gefühl noch sehr gut, wenn man seinen Partner bei solchen Sachen erwischt, gerade in der Jugend. Ich bin gewiss nicht allein mit den schmerzhaften Gedanken, die damit einhergehen. „Bin ich nicht gut genug? Gefällt ihm diese Frau besser? Sind das seine Erwartungen? Will er, dass ich solche Sachen mache?“. In meinem Leben folgten solche Gedankensätze tatsächlich mehrmals Panikattacken, die mich auf den Boden in meinem Badezimmer zwangen. Ich weiß also wovon ich rede, wenn ich von emotionalem Schaden spreche und es war mir eine Genugtuung als ich feststellen konnte, dass Pornografie nicht nur in meinem Kopf ein Problem ist, sondern tatsächlich ein Gesellschaftsproblem. Und zwar eigentlich ein sehr großes!
Fazit: Abgesehen davon, dass Pornografie anschauen eine Sucht ist (oder sehr schnell zu einer wird), muss erwähnt werden, dass Gewalt an Frauen runtergespielt oder sogar als Genuss dargestellt wird. Außerdem bekommen Jugendliche ein Bild vom Sex, das nicht mehr viel mit einem liebevollem Akt zu tun hat, sondern eine falsche Geschlechterrolle aufzeigt.
Wichtige Zahlen: Im Jahr 2014 hat in Österreich jede 5. Frau ab 14 Jahren körperliche und/-oder sexuelle Gewalt erlebt. Jede 3. Frau eine Form von sexueller Belästigung. 29,5 Prozent der befragten Frauen in Österreich wurden vergewaltigt, versucht vergewaltigt oder zu sexuellen Handlungen genötigt, die sie nicht wollten. 56,8 Prozent der Frauen haben bereits körperliche Gewalt erfahren. Jede 5. Frau wird von ihrem Beziehungspartner misshandelt.
Im Jahr 2023 ist es bereits jede 3. Frau, die körperliche und/-oder sexuelle Gewalt erlebt hat… außerdem wurden im Jahr 2022 28 Frauen ermordet und im Jahr 2023 (Stand März) bereits 6. -Melanie Yilmaz
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