Reden wir doch mal Klartext. Mama sein ist der schönste Job der Welt, aber auch der anstrengendste. Ich versuche ja mit meinen drei Kindern möglichst liebevoll und bestärkend umzugehen. Bedürfnisorientierte Erziehung wäre mein Ziel. Klar, ich will ja, dass die Kleinen ein selbstbestimmtes Leben führen dürfen. Meine Glaubenssätze und seelischen Begrenzungen will ich ihnen bestenfalls nicht mitgeben. Damit sie sich später ersparen, das alles auflösen zu müssen. Schön und gut, nur ist eben diese Art der Erziehung um einiges anstrengender als die Methoden, die in meiner Kindheit noch als das A und O angesehen wurden. Bei einem Wutanfall kann ich meine 3-jährige Tochter nun mal nicht in ihr Zimmer bringen und die Tür schließen, damit sie mir endlich nicht mehr lautstark in mein Ohr brüllt. Ich soll verstehen, dass in ihrem Gehirn einfach noch keine Impulskontrolle entwickelt ist und sie sich nicht selbst beruhigen KANN. Tja, ich verstehe es ja. Nur bin ich selbst als Kind in solchen Situationen in mein Bett gebracht worden, um mich zu beruhigen. Ist natürlich keine Kritik an meinen Eltern, so wurde es halt früher gemacht. Damit will ich nur sagen, dass ich nicht nur das Brüllen meiner Tochter in Kauf nehmen (und sie trotzdem in den Arm nehmen) soll, sondern ich muss auch gegen meinen Kopf ankämpfen der „Bring sie in ihr Zimmer, sonst wird sie es nie lernen!“ brüllt.
Auch viel mehr Geduld ist von einer Mama gefragt, die sich für diesen Erziehungsstil entschieden hat. Immerhin soll ich mein Kind alles selbst versuchen lassen. So lernt es eben. Wir wissen natürlich, dass somit alles deutlich länger dauert. Was in manchen Situationen auch echt an meinem Nervenkostüm nagt. Geduld ist nämlich ein persönliches Thema bei mir. Aber ich verstehe, dass ich meinem Kind jedes Mal, wenn ich ihm etwas abnehme, ein Erfolgserlebnis wegnehme. Eine Erfahrung, die es in seinem Gehirn abspeichert und beim nächsten Versuch abrufen kann. Also wieder – total verständlich – aber eben auch anstrengend.
Nun beschäftigen mich nicht nur meine Kinder, die ich zur Welt gebracht habe. Nein, auch mein inneres Kind macht immer Mätzchen. Es braucht auch ständig Liebe und mein Verständnis. Es wünscht sich, dass ich seine Verletzungen auflöse. Was eine tolle Sache ist, aber habt ihr schon mal Dinge aus der Vergangenheit aufgelöst? Das geht oft mit tagelangem Heulen und absoluter Panik einher. Also wenn es geht, macht das echt bevor ihr selbst Eltern werdet. Nur so als Tipp.
Ich bin seit ca. 4 Jahren mit der Entwicklung meiner Persönlichkeit beschäftigt, um mein Potential zu entfalten. Ich nenne die Persönlichkeitsentwicklung immer gern „Achterbahnfahrt der Gefühle“. Also im Alltag mit Kindern ein weiterer Faktor, der oft an meiner Kraft zehrt. Natürlich dürfen wir den Haushalt nicht vergessen, denn wenn ich mir schon erlaube, so lange bei meinen Kindern zuhause zu bleiben, dann hat dieses ja wohl immer superschick auszusehen, oder? Das ist dann oft ein lächerliches Wettrennen mit meinen beiden Töchtern, 5 und 3. Sprich ich räume auf, während sie spielen, was natürlich das Gegenteil von Aufräumen ist. So geht das dann den ganzen Tag und abends sieht es aus, als ob ich den ganzen Tag nichts getan hätte. Toll, oder?
Nun kann ich mir gut vorstellen, dass du vieles von dem, was ich hier beschrieben habe, sehr gut kennst. Sonst wärst du wahrscheinlich nicht auf diesem Blog gelandet. Ich will hier natürlich nicht nur aufzeigen, wie schwer wir Mamas es oft haben, sondern auch mit dir teilen, was mir hilft.
Was ich besonders wichtig finde, ist es nicht zu streng mit mir selbst zu sein. Klar möchte ich immer alles richtig machen, aber ich bin schließlich menschlich und nicht perfekt. Ich gebe jeden einzelnen Tag mein Bestes und damit darf ich absolut zufrieden sein. Mehr als das kann ich nämlich nicht geben. Und das ist immer gut genug. Wenn es um die Kindererziehung geht, sehe ich das gerne aus der spirituellen Perspektive. Meine Kinder haben sich mich als ihre Mama ausgesucht. Und dieser Gedanke in Verbindung damit, dass ich jeden Tag mache, was mir möglich ist, nimmt mir den Druck. Also versuche ich mich stets daran zu erinnern, wenn ich wieder mal in einer Situation nicht so reagiere, wie ich es eigentlich gerne hätte.
Das Zweite was meinen Alltag bemerkenswert leichter macht ist Achtsamkeit. Also im Hier und Jetzt präsent zu sein. Ich darf jeden Moment erleben, wie er gerade ist. Ich darf meine Gedanken kommen und gehen lassen, ohne einen davon festzuhalten. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn ich ganz bewusst mit meinen Kindern spiele, ohne dabei ständig an den Haushalt zu denken, kann ich diese Zeit auch genießen. Die Kleinen danken es mir, indem sie den nächsten Zeitabschnitt alleine spielen. Sie haben ja gesehen, dass ich mir wirklich Zeit für sie genommen habe. Dann kann ich mir ganz bewusst Zeit nehmen, egal für welche Aufgabe. So kann ich viel produktiver sein und mir hin und wieder erlauben auch wieder zum Kind zu werden.
Last but not least. Eher das Wichtigste meiner drei Geheimnisse.
Ich nehme mir regelmäßig Zeit für mich. Am besten ist es täglich ein paar Minuten zu meditieren. So kann ich mich mitten in dem Trubel des 5-Personen-Haushalts immer wieder erden und meine Mitte finden. So absurd es klingt, aber fünf Minuten am Tag machen wirklich einen Unterschied. Wenn mir nicht nach meditieren ist, ist eine Badewanne alleine oder ein Spaziergang eine willkommene Abwechslung. Auf jeden Fall versuche ich meine eigenen Bedürfnisse nicht ganz hinten anzustellen.
Im Großen und Ganzen kann man feststellen, dass bei uns Müttern eine starke Entwicklung spürbar ist. Grundsätzlich zum Positiven. Wir wollen liebevolle Mamas und Ehefrauen sein, uns selbst weiterentwickeln und die Welt Stück für Stück zu einem schöneren Ort machen. – Claudia Weixlbaumer
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